Warum der rote Drücker Hanhart ausmacht

Hanhart ist eine der ältesten deutschen Uhrenmarken, die heute noch produziert. Angefangen hat alles 1882 in der Schweiz, seit 1934 steht die Manufaktur in Gütenbach, einem Schwarzwalddorf mit gut tausend Einwohnern.

Groß geworden ist Hanhart mit Stoppuhren und Fliegerchronographen. Der rot lackierte Rückstelldrücker von 1939 ist bis heute das Erkennungszeichen der Marke, ein Detail, das man auf zwanzig Meter Entfernung sieht und das sonst niemand hat.

Heute stehen Hanhart Chronographen und Dreizeiger im Programm, seit Ende 2024 mit der AQUASPHERE auch eine eigene Taucheruhren-Linie. Stoppuhren baut Hanhart nach wie vor fast komplett selbst.

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Hanhart: von Diessenhofen in den Schwarzwald

Hanhart: von Diessenhofen in den Schwarzwald

Johann Adolf Hanhart eröffnet 1882 im schweizerischen Diessenhofen ein Uhrengeschäft. Zwanzig Jahre später zieht die Familie nach Schwenningen am Neckar, damals eines der Zentren der deutschen Uhrenindustrie.

Der eigentliche Durchbruch kommt 1924 mit der ersten bezahlbaren mechanischen Stoppuhr. Bis dahin war Zeitmessung im Sport ein teures Vergnügen. Hanhart macht sie für Vereine, Schulen und Werkstätten erschwinglich. Zwei Jahre später kommen Taschen- und Armbanduhren dazu.

1934 entsteht die Hanhart Manufaktur in Gütenbach, einem Ort mit gut tausend Einwohnern in einem Seitental des mittleren Schwarzwalds. Dort wird bis heute produziert.

Der rote Drücker von Hanhart

Der rote Drücker von Hanhart

1938 geht das Kaliber 40 in Serie, ein Eindrücker-Chronograph. Ein Jahr später folgt das Kaliber 41 mit zwei Drückern, und mit dem Detail, an dem man eine Hanhart bis heute auf zwanzig Meter Entfernung erkennt: Der Rückstelldrücker ist rot lackiert.

Die offizielle Erklärung ist nüchtern. Rot heißt Achtung, und die Farbe sollte verhindern, dass ein Pilot die laufende Stoppfunktion versehentlich auf null setzt. Dazu sitzen die beiden Drücker bewusst asymmetrisch, damit man sie auch mit Handschuh auseinanderhält.

Die schönere Version ist die mit dem Nagellack: Eine Pilotenfrau soll den Drücker ihres Mannes markiert haben, damit er auf jedem Flug an sie denkt. Belegt ist das nicht, erzählt wird es trotzdem immer wieder, und genau das macht solche Details aus.

Diese Hanhart Chronographen wurden damals an die Luftwaffe geliefert. Das gehört zur Geschichte der Marke dazu und wird von Hanhart auch nicht verschwiegen.

  • 1882Gegründet
  • 1934In Gütenbach seit
  • 1939Roter Drücker seit
  • 1.200 HVHärte HD12-Stahl
  • 90+ %Eigenfertigung Stoppuhren
  • 6Kollektionen
Hanhart HD12: eigener Stahl aus Gütenbach

Hanhart HD12: eigener Stahl aus Gütenbach

2024 stellt Hanhart die Preventor HD12 vor, und mit ihr ein Gehäusematerial, das die Marke selbst entwickelt hat.

Der Stahl wird einsatzgehärtet und anschließend beschichtet. Das Ergebnis sind rund 1.200 Vickers Oberflächenhärte. Zum Vergleich: Normaler 316L-Edelstahl, aus dem die allermeisten Uhrengehäuse bestehen, liegt bei etwa 220 HV.

In der Praxis heißt das: Die Uhr sammelt deutlich weniger Kratzer. Wer schon mal eine neue Uhr am dritten Tag am Türrahmen erwischt hat, weiß, warum das kein Marketinggag ist.

AQUASPHERE – Hanhart geht tauchen

AQUASPHERE – Hanhart geht tauchen

Groß geworden ist Hanhart mit Fliegerchronographen, Stoppuhren und Motorsport. Eine Taucheruhr gab es zwar seit 2009 mit der PRIMUS Diver, eine eigene Linie dafür aber nie.

Das ändert sich im Oktober 2024 mit der AQUASPHERE, nach Angaben der Marke ihre erste eigenständige Taucheruhren-Serie. 300 Meter wasserdicht, Heliumventil bei zehn Uhr, kannelierte Drehlünette mit Keramik-Inlay, darin ein Sellita SW200-1, das in Gütenbach feinreguliert wird. Angefangen hat die Linie mit der FreeFall Blue, es folgten die Ocean Fade mit Farbverlauf und die komplett schwarze Matte Black.

Worauf es bei einer Taucheruhr wirklich ankommt, habe ich im Taucheruhren-Ratgeber aufgeschrieben.

Für mich ist die AQUASPHERE die spannendste Neuentwicklung der Marke seit langem – weil sie zeigt, dass Hanhart auch abseits der eigenen Historie etwas Eigenständiges hinbekommt.

Die ganze Geschichte

Die ganze Geschichte

Über 140 Jahre Hanhart bekommt man hier nicht auf eine Seite. Stoppuhren für die Bundesluftwaffe, ein Quarzkaliber, das vierzig Millionen Mal verkauft wurde, der Absturz in den Achtzigern und die Rückkehr zur mechanischen Uhr 1997 – das ist eine eigene Geschichte.

Die habe ich auf watchdavid.de aufgeschrieben, mit historischen Bildern aus Schwenningen und Gütenbach und den Modellen, die den Weg dorthin markiert haben.

Das Hanhart-Portrait lesen

Meilensteine

  1. 1882

    Gründung in Diessenhofen

    Johann Adolf Hanhart eröffnet im Schweizer Kanton Thurgau ein Uhrengeschäft. 1902 zieht die Familie nach Schwenningen am Neckar.
  2. 1924

    Die erste bezahlbare Stoppuhr

    Hanhart konstruiert eine mechanische Stoppuhr, die sich auch Vereine und Werkstätten leisten können. Zwei Jahre später kommen Taschen- und Armbanduhren dazu.
  3. 1934

    Manufaktur in Gütenbach

    Im mittleren Schwarzwald entsteht der Produktionsstandort, an dem Hanhart bis heute fertigt.
  4. 1939

    Der rote Drücker

    Mit dem Kaliber 41 bekommt der Rückstelldrücker seine rote Lackierung – bis heute das Erkennungszeichen der Marke.
  5. 1962

    Steve McQueen trägt die 417

    Im Kriegsfilm „The War Lover" hat McQueen eine Hanhart 417 am Handgelenk. Es folgen die LIFE-Aufnahmen von John Dominis 1963 in Palm Springs und Fotos von der Six Days 1964 im thüringischen Erfurt, wo er für das US-Team startet.
  6. 1997

    Zurück zur mechanischen Uhr

    Nach Jahrzehnten mit Stoppuhren und Quarztechnik zeigt Hanhart eine originalgetreue Neuauflage des Chronographen von 1939.
  7. 2024

    Eigener HD12-Stahl

    Mit der Preventor HD12 kommt das erste Gehäuse aus selbst entwickeltem, gehärtetem Stahl mit rund 1.200 HV Oberflächenhärte.
  8. 2024

    Die erste eigene Taucheruhren-Linie

    Im Oktober kommt die AQUASPHERE: 300 Meter wasserdicht, Heliumventil, kannelierte Drehlünette. Eine einzelne Taucheruhr hatte Hanhart mit der PRIMUS Diver zwar schon seit 2009 – eine eigenständige Serie dafür aber nie.
Für wen lohnt sich Hanhart

Für wen lohnt sich Hanhart

Bei mir im Shop liegen die Uhren zwischen rund 1.000 und 3.500 Euro, der Schwerpunkt bei etwa 2.500 Euro. Dafür bekommt man eine deutsche Marke mit über 140 Jahren Geschichte und eine Manufaktur in Gütenbach, die man tatsächlich besuchen kann.

Wer einen Chronographen mit echter Historie sucht statt einer Retro-Interpretation von der Stange, ist hier goldrichtig. Der rote Drücker ist kein Designzitat – er sitzt seit 1939 an derselben Stelle, aus demselben Grund.

Die limitierten Serien sind schnell weg. Die Preventor HD12 in 36 mm etwa gibt es nur 200 Mal – solche Auflagen sind meist zügig ausverkauft und danach kaum noch zu bekommen, und wenn doch, dann oft zu deutlich höheren Preisen.

Es gibt nicht viele deutsche Marken, die eine Idee fünfundachtzig Jahre lang durchhalten. Und noch weniger, bei denen man sie auf zwanzig Meter Entfernung erkennt.

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DUELL: Neue Hanhart Aquasphere Ocean Fade im Vergleich & Test

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Häufige Fragen zu Hanhart

Wo werden Hanhart Uhren hergestellt?

In Gütenbach im mittleren Schwarzwald. Dort steht die Manufaktur seit 1934. Gegründet wurde die Marke allerdings 1882 im schweizerischen Diessenhofen, von dort ging es 1902 nach Schwenningen am Neckar und 1934 nach Gütenbach.

Warum hat Hanhart einen roten Drücker?

Seit 1939 ist der Rückstelldrücker rot lackiert. Offiziell als Warnfarbe, damit ein Pilot die laufende Stoppfunktion nicht versehentlich auf null setzt. Dazu sitzen die beiden Drücker asymmetrisch, damit man sie auch mit Handschuhen auseinanderhalten kann.

Daneben gibt es die Geschichte von der Pilotenfrau, die den Drücker mit ihrem Nagellack markiert haben soll. Belegt ist die nicht, erzählt wird sie bis heute.

Hat Steve McQueen wirklich eine Hanhart getragen?

Ja, und anders als bei vielen Promi-Uhren-Geschichten gibt es dafür Bilder. Er trägt eine 417 im Film „The War Lover" von 1962, auf den Aufnahmen, die John Dominis 1963 für das LIFE Magazine in seinem Haus in Palm Springs machte, und 1964 bei den Six Days in Erfurt, wo er für das US-Team an den Start ging.

Fair bleiben muss man beim Rest: Es gab keinen Werbevertrag, und wie McQueen überhaupt an die Uhr kam, weiß bis heute niemand. Er hat sie offenbar einfach getragen, weil sie ihm gefiel – meistens beim Motorradfahren.

Und: Seine 417 war ein Modell aus den Fünfzigern. Die 417 ES, die es heute zu kaufen gibt, ist eine Neuauflage davon, keine Uhr aus seinem Besitz.

Welche Uhrwerke verbaut Hanhart?

In den aktuellen Armbanduhren stecken Schweizer Zulieferkaliber: Sellita SW 510 M als Handaufzug-Chronograph in der 417 ES, Sellita AMT5100 M als Automatik-Chronograph und Soprod in den Dreizeigern der PIONEER-Linie. Hanhart bearbeitet und modifiziert diese Werke im Haus.

Bei den Stoppuhren sieht es anders aus: Dort liegt die Fertigungstiefe bei über 90 Prozent.

Was ist der HD12-Stahl bei Hanhart?

Ein von Hanhart entwickeltes Gehäusematerial, das seit 2024 zum Einsatz kommt. Der Stahl wird einsatzgehärtet und beschichtet und erreicht rund 1.200 Vickers Oberflächenhärte. Normaler 316L-Edelstahl liegt bei etwa 220 HV. Die Uhr ist damit deutlich kratzfester.

Was kostet eine Hanhart?

Bei mir im Shop liegen die Hanhart Uhren aktuell zwischen rund 1.000 und 3.500 Euro. Der Einstieg sind die Dreizeiger der PIONEER-Linie, oben stehen die Chronographen der 417-ES- und PRIMUS-Serien sowie limitierte Sondereditionen.

Ist Hanhart eine Manufaktur?

Bei den Stoppuhren ja. Dort entstehen über 90 Prozent der Wertschöpfung im eigenen Haus, eine mechanische Stoppuhr besteht aus rund 170 Einzelteilen.

Bei den Armbanduhren nein. Da kommen die Werke zugekauft, Gehäuse, Zifferblätter, Modifikation und Montage laufen aber über Gütenbach. Das ehrlich zu benennen finde ich wichtiger, als mit dem Wort Manufaktur um sich zu werfen.